Zwischenräume
LASST UNS AN EINE ANDERE ZUKUNFT ERINNERN
Das MAXIM-Jahresthema «Erinnerungen» wird uns auch in den bevorstehenden Veranstaltungen der Zwischenräume begleiten.
Erinnern ist politisch. Es zeigt, wer in einer Gesellschaft sichtbar gemacht wird und wessen Geschichten verdrängt werden. Die Mehrheit der Gesellschaft bestimmt, wie wir gemeinsame Erinnerungen verstehen. Aus diesen Erinnerungen leiten wir ab, wie wir uns verhalten sollten. Die Geschichten, die wir als wichtig erachten, zeigen uns, welche Werte in unserer Gemeinschaft gelten. Sie helfen uns, unsere Identität zu formen und zeigen, wer dazugehört – und wer eben auch nicht. Ohne Erinnerung gibt es keine Zukunft.
Welchen Beitrag kann das Theater – und im Speziellen das MAXIM Theater mit seiner divers zusammengesetzten Community – zum kulturellen kollektiven Gedächtnis beisteuern? Das MAXIM Theater ist ein Ort voller vielseitiger Stimmen – diesen Stimmen und ihren Erinnerungen möchten wir Gehör verschaffen, einen Klangraum und eine Bühne bieten.
Zu dieser Veranstaltungsreihe lädt das Kollektiv Zwischenräume des MAXIM Theaters ein. Seit 2014 haben in den Zwischenräumen über hundert Lesungen, Diskussionsrunden sowie thematische Abende mit Musik, Performances, Tanz, Film und Kunst von und mit Menschen aus aller Welt stattgefunden. Am 24. Oktober 2025 feiert das Kollektiv Zwischenräume Geburtstag!
Diese Veranstaltungsreihe wird vom Zwischenräume Kollektiv organisiert
und vom MAXIM Theater ausgerichtet.
Alle Veranstaltungen sind offen für Alle, ohne Anmeldungen, mit freiem Beitrag.
MEINE GEDANKEN KRÄUSELN SICH – ICH MUSS TANZEN Tanzperformance mit Meret Schlegel und Nelly Bütikofer
Mittwoch, 10. September 2025
um 19:30 Uhr
Nach gemeinsamen früheren Bühnen- projekten und jahrelangen individuellen künstlerischen Laufbahnen stehen die beiden Tänzerinnen Meret Schlegel und Nelly Bütikofer wieder gemeinsam auf der Bühne. Sie lassen ein tänze- risches Kaleidoskop entstehen, das sich aus Erinnerungsfragmenten und jetzigen Kreationen zusammensetzt; mutig, berührend, zart, frech. Erinnerungen gehen verloren, tauchen wieder auf, überlappen, vermischen sich mit jetzi-gem Schaen.
Rollen aus ehemaligen Produktionen werden vertauscht.
Musik von damals wird mit Musik von heute verwoben. Der Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten, Tanz als Kunst in jeder Lebensphase, das Gemeinsame, das Unterschiedliche, werden gefeiert.
MIT
Nelly Bütikofer gehört zu den Pionier- innen der freien Tanzszene in der Schweiz. Die Spannbreite ihrer Aktivitäten reicht von etablierten Theater- häusern über Kleintheater bis zu Räumen für experimentelle Kunst, vom Opernhaus Zürich bis zum Teatro Dimitri.
Meret Schlegel, ebenfalls Pionierin, arbeitete schon früh als Performerin und Tänzerin mit Künstler:innen anderer Sparten zusammen. Von 2000 bis 2011 war sie künstlerische Leiterin des Tanzhaus Zürich. 2013 gründete sie zusammen mit Kilian Haselbeck die Cie zeitSprung.
ZWISCHENRÄUME PARTY DER ERINNERUNGEN mit Live Konzert der Worldmusikband Todo&Co
Freitag, 24. Oktober 2025
Türöffnung 18:45 Uhr
Das Kollektiv Zwischenräume feiert Geburtstag!
Zwischenräume, das sind Räume zwischen den vielfältigen Aktivitäten des MAXIM Theaters, Räume für eine kreative Auseinandersetzung über aktuelle Themen und für den Austausch unter Menschen innerhalb und ausserhalb der MAXIM Community.
Zum Jubiläum laden wir euch zu einem Fest der Begegnung, des Zusammenseins und des Erinnerns ein.
18:45 Uhr
→ Türöffnung
19:00 Uhr
→ Begrüssung und Einstimmung gefolgt von Apero Riche.
20:00 Uhr
→ Konzert der Worldmusikband Todo & Co
Ab 21:30 Uhr
→ Bar und Tanz mit SheDJ Gabi
Todo & Co spielen Lieder aus aller Welt, von Arabisch bis Angolanisch, von
Brasilianisch bis Bulgarisch, von Mazedonisch bis Mauritisch. Mit ihrem festlichen Programm rufen die vier Musikerinnen aus Amsterdam zum Tanzen und Mitsingen auf
Mit
Toiny Tune
Leadgesang, Gitarre, Percussion
Dominique Romeny
Sopransax, Gitarre, Mandoline, Gesang
Martine Woudt
Bass, Geige, Trompete, Gesang
Fredrike de Winter
Akkordeon, Percussion, Gesang.
Nach dem Konzert wollen wir Erinnerungen austauschen und in der Crossover Disco von SheDJ Gabi zwischen gestern und heute weiter tanzen.
Wir freuen uns auf euch!
ERINNERUNG FÜR DIE ZUKUNFT
Jenische, Sinti*zze und Rom*nja
Mittwoch, 29. Oktober 2025
um 19:30 Uhr
Kooperation von Zeitschrift Neue Wege und MAXIM Theater
Seit Jahrhunderten sind Jenische, Sinti:zze und Rom:nja Teil der schweizerischen und der europäischen Gesellschaft. Doch bis heute ist ihre Geschichte durch Ausgrenzung gezeichnet. Und noch immer werden ihre Anliegen in der breiten Bevölkerung zu wenig gehört. Der Bundesrat hat im Februar 2025 anerkannt, dass an Jenischen und Sinti:zze in der Schweiz im 20. Jahrhundert Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen worden sind. Wie schaffen wir eine gesellschaftliche Zukunft, in der Bilder und Erzählungen von bisher ausgeschlossenen Gruppen Platz finden?
Der Abend dreht sich um die Fragen: Was macht die Geschichte von Diskriminierung, die Würde und den Widerstandswillen der Gemeinschaften der Jenischen, Sinti:zze und Rom:nja aus? Wer wollen sie heute sein? Wie sieht der Weg in eine gerechtere Zukunft aus? Und welche Rolle spielt das Erinnern und Erzählen von Geschichte dabei?
Auf der Bühne lesen und sprechen Nebojša Marković und Christian Mehr, singt Milena Petrovic und diskutieren Mo Diener und Carla Hagen zu Diskriminierung, zu Würde und Widerstandswillen.
Freier Beitrag
Mo Diener, Performancekünstlerin und Autorin
Roma Jam Session art Kollektiv-ARCHIVE
Carla Hagen, Religionswissenschaftlerin
Nebojša Marković, Schauspieler, Autor und Regisseur
Christian Mehr, Musiker, Beirat Radgenossenschaft der Landstrasse
Michael Herzig: Landstrassenkind. Die Geschichte von Christian und Mariella Mehr. Zürich 2023.
Milena Petrovic, Schauspielerin und Performerin
Die Ausgabe 4.25 der Zeitschrift Neue Wege Erinnern für die Zukunft. Jenische, Sinti*zze und Rom*nja mit Beiträgen von Mariella Mehr, Simone Schönett, André Raatzsch, Willi Wottreng, Stefan Heinichen, Marius Parno, Mo Diener ist erhältlich für CHF 12.-: neuewege.ch
BIOGRAFIE ALS DIALOGISCHER ERINNERUNGSPROZESS
Elisabeth Joris liest aus ihrem Buch «Ein Leben in Geschichte(n)»
Sonntag, 9. November 2025
um 17:00 Uhr
Die 1946 im Oberwallis geborene Elisabeth Joris gehörte einer Frauengeneration an, der man noch den Besuch des Gymnasiums verweigert hatte. Es brauchte mehrere Umwege, bis sie 1970 endlich ihren Traum, Geschichte zu studieren, verwirklichen konnte.
Sie war aktiv in der linken Gruppierung «Kritisches Oberwallis» und wurde Mitte der 1970er-Jahre zur überzeugten Feministin, was ihr berufliches Schaffen und ihr gesellschaftliches Engagement gleichermassen beeinflusste.
Die 2024 erschienene Biografie der Historikerin Elisabeth Joris ist in Ich-Form geschrieben, doch verfasst hat sie die Autorin und Verlegerin Denise Schmid. Neunundzwanzigmal, insgesamt rund siebzig Stunden lang, haben die beiden Gespräche geführt.
Die Autorin gestaltete die mündlichen Erzählungen in thematischen Kapiteln und gab sie Elisabeth Joris zur Überarbeitung.
Ein dialogisches Hin-und-Her,ein ständiges Reflektieren der persönlichen Erinnerungen.
Mit
Elisabeth Joris, freischaffende Historikerin in Zürich. Sie erzählt von ihrem Erinnerungsprozess und liest Auszüge aus dem facettenreichen Buch. Es handelt von Frauenbewegung und KlimaSeniorinnen, Aufklärerinnen und Tunnelbau, alternativen Lebensformen, Lesezirkeln, und vielem mehr.
GROSSMUTTER`S BÄUME: EINE GEMEINSAME LESUNG AUS ZWEI ROMANEN
mit Ivna Žic und Usama Al Shahmani
Freitag, 28. November 2025
um 19:30 Uhr
Türöffnung: 19:00 Uhr
Was haben die beiden Romane “Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt” von Usama Al Shahmani und “Wahrscheinliche Herkünfte” von Ivna Žic gemeinsam?
Am 28. November werden Žic und Al Shahmani im Rahmen der Veranstaltungsreihe Zwischenräume aus ihren Romanen vorlesen. In beiden Texten geht es um Erinnerungen, dem diesjährigen Jahresthema des MAXIM Theater: insbesondere darum, wie geteilte Erinnerungen unsere Identitäten formen und wie sie die Gegenwart und die Zukunft prägen.
Diese Lesung ist eng verknüpft mit der diesjährigen Theaterproduktion des MAXIM Theaters. Aus seinem Roman “Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt” hat Usama Al Shahmani zusammen mit Ivna Žic ein Theaterstück für das MAXIM Ensemble geschaffen. Anhand der Geschichte von Dafer Schiehan erzählt es von den Verwüstungen einer Kindheit und Jugend in Diktatur und Krieg und dem Versuch, traumatische Erlebnisse hinter sich zu lassen.
Die Première von “Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt” findet am 22. November im MAXIM Theater statt.
Für ihre gemeisame Lesung am 28. November nehmen die beiden Autor:innen einige Fäden des Stücks auf und verweben sie mit Geschichtssträngen aus Ivna Žic’ Roman “Wahrscheinliche Herkünfte”.
Ivna Žic geht in ihrem Roman den Spuren ihrer Ahnen nach und eröffnet einen Ort des Wiedererkennens im anderen und des anderen. Sie öffnet in in ihrer autofiktionalen Reflexion Zugänge zu den völlig unterschiedlichen Welten ihrer beiden Grossmütter und des schweigsamen Grossvaters, in deren Leben sich europäische Geschichte und eine untergegangene Welt spiegeln, die nach wie vor in uns weiterlebt und unser Handeln bestimmt.
Die Grossmutter spielt auch in Usama Al Shahmanis Roman eine zentrale Rolle: Ihre Stimme ist präsent und hörbar, man liest sie in den Zeilen und spürt sie in der poetischen Sprache des Texts. Sie hat die Hauptfigur begleitet und bleibt auch nach ihrem Tod an seiner Seite, ihre Prägung in der Familie strahlt weit über ihr Leben hinaus.
Wenn Ivna Žic und Usama Al Shahmani an ihrem gemeinsamen Lese-Abend am 28. November Einblicke in ihre Romane geben, werden sie ihre Grossmütter miteinander sprechen lassen. So verbinden sich die beiden Ahninnen, die einander nie begegnet sind, in ihrer Spur bis in die Gegenwart, die sie ihren Enkel:innen hinterlassen haben.
*Falls beim Reservationsprogramm Probleme auftreten, senden Sie uns bitte eine Email an [email protected]
Mit:
Ivna Žic (*1986 in Zagreb), Autorin mehrerer Bücher und Theaterregisseurin, hat an verschiedenen Theaterhäusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz gearbeitet. Usama Al Shahmani (*1971 in Bagdad) publizierte im Irak drei Bücher über arabische Literatur, bevor er wegen eines Theaterstückes fliehen musste und in die Schweiz kam. Beide wurden sie im deutschsprachigen Raum für ihre Romane mehrfach prämiert.
