Wissenstransfer

Know-How – Das MAXIM Theater teilt Erfahrungen und Wissen zur Planung und Durchführung partizipativer Projekte


Von der Partizipation mit Motivation zur Innovation

«3 PROJEKTE – 3 FORMATE» hat Modellcharakter für andere Vereine und Organisationen und steht hier in Form eines erarbeiteten Wissenstransfers zur Verfügung.

Das im April 2018 gestartete Projekt «3 PROJEKTE – 3 FORMATE» hatte als übergeordneten Handlungsschwerpunkt die Partizipation und die kulturelle Teilhabe der Teilnehmer*innen zum Ziel – dies ohne hierarchische Strukturen, die den konkreten Projektinhalt bestimmen würden. Die drei Formate waren: Audio (Radio), Video und Performance (inkl. Tanz, Zeichnen und Schreiben). Als weit gefasstes Überthema wurde «HierSein» gewählt. Der Fokus lag auf der Ausarbeitung eines eigenen Projektes in einem der drei Formate, inklusive Themenfindung und Recherchen. Die drei Produktionen – Performance, Audio- und Videoprojekte – wurden partizipativ und mit den Mitteln der Kunst entwickelt und im MAXIM THEATER sowie an geeigneten weiteren Orten vorgestellt.

 

Das Vorhaben entstand aus der Motivation heraus, Teilhabe vermehrt zu stärken. Mit der Grundlage der recherchierten Geschichten wurden die Teilnehmenden der Gruppen zu Protagonist*innen ihrer eigenen und fremden Geschichten und Wahrnehmungen, Erfahrungen oder Meinungen. Der Prozess der Erarbeitung eines eigenen Projektes sowie das Erlernen der spezifischen Tools (Audio, Video, Tanz), um Geschichten zu sammeln galten dem Empowerment der Teilnehmer*innen – auch über das Ende der Workshops hinaus.

 

Die übergeordnete Zielsetzung war, den Schwerpunkt Teilhabe zu analysieren, zu durchleuchten und gegebenenfalls anzupassen. Wirkungsziele waren der (gemeinsame) Meinungsbildungsprozess, die individuelle Netzwerkstärkung sowie das Empowerment der Teilnehmer*innen – indem sie das Erlernte auch in Zukunft nutzen können.

Die Erkenntnisse aus «3 PROJEKTE – 3 FORMATE» dienen als Modell, das Wissen zur Stärkung der kulturellen Teilhabe auf andere Institutionen transferierbar zu machen. Es geht im Folgenden vor allem darum, die Methoden in anderen Projekt- und Institutionskontexten anwendbar zu machen und praktisch umzusetzen. Untenstehend folgen Handlungsanweisungen für das Übertragen der Erkenntnisse auf andere institutionelle Kontexte.

 

1. Ziele und Indikatoren

Klar definierte Ziele sind unabdingbar für das Gelingen des Projekts. Die Ziele definieren die Projektmassnahmen, da sie festlegen, was getan werden muss, um einen gewünschten Zustand (jener der Problembehebung bzw. Zielerfüllung) zu erreichen.

Zu jeder Zielformulierung sollten Indikatoren festgelegt werden; diese machen sichtbar, wie die Zielerreichung gemessen wird. Indikatoren können beispielsweise Teilnehmendenzahlen sein, konkrete Aktivitäten oder durch das Projekt vermittelte, spezifische Fähigkeiten. Wichtig ist, die Indikatoren genau zu benennen, da mit ihnen die Zielerreichung überprüft wird. Gerade latente Ziele brauchen klare Indikatoren, damit sie überprüft werden können.

 

2. Festlegen und Rekrutieren der Zielgruppe

Es empfiehlt sich, die Zielgruppe vor Beginn klar zu definieren. Für Projekte, die selbständiges Arbeiten in grösserem Umfang erfordern (Recherchen für Video, Radio etc.) sollte bei der Rekrutierung der zeitliche Aufwand von Beginn an kommuniziert werden. Die Zusammensetzung der Gruppen sollte entsprechend erfolgen: Unregelmässige Ausbildungs- und/oder Arbeitszeiten müssen eingeplant werden. Eine Durchmischung der Gruppe ist vor allem für ein grösseres Projekt (z.Bsp. Videoprojekt) sinnvoll, da einige der Teilnehmenden zeitaufwändige Bereiche übernehmen können.

 

3. Übertragung auf andere Institutionen

Die Durchführung von «3 PROJEKTE – 3 FORMATE» hat gezeigt, dass die Stärkung der kulturellen Teilhabe anhand unterschiedlicher künstlerischer Mittel erfolgen kann. Allen Teilprojekten ist gemeinsam, dass durch das Erlernen unterschiedlicher Techniken und des Realisierens eines gemeinsamen Projektes die Teilhabe an kulturellen Themen ermöglicht und die Eigeninitiative gestärkt wird. Egal, ob dies im Bereich von Radio, Video oder Tanz erfolgt – die Mechanismen bleiben untereinander grundsätzlich ähnlich, obwohl das Format variiert. Damit die Übertragung auf andere Institutionen gelingt, muss der Kontext, in welchem das Projekt stattfinden soll, untersucht werden:

 

  • In welchem institutionellen oder kulturellen Kontext wird das Projekt verortet?
  • Welche Akteure und Netzwerke gibt es? Zwischen welchen Akteuren kann ein Austausch stattfinden?
  • In welchem Zeitraum ist das Projekt realisierbar? Muss auf Saisonales Rücksicht genommen werden?

 

Für die weitere Planung des Projektes müssen folgende Punkte berücksichtigt werden:

 

Je nach Kontext und Institution müssen die künstlerischen Mittel (Formate), mit welchen das Projekt realisiert wird, den institutionellen Umständen entsprechen: Im Vorfeld muss untersucht werden, welche Formate für die entsprechende Institution geeignet und gewünscht sind und welche Ressourcen dafür vorhanden sind.

  • Abklären, welche Werkzeuge, Utensilien, Computerprogramme usw. benötigt werden.
  • Wie wird die Technik des künstlerischen Mittels den Teilnehmenden beigebracht? Wer hat die entsprechende Fähigkeit, das Wissen zu vermitteln?
  • Bei Bedarf eine oder mehrere Sitzungseinheiten einrechnen, an welcher nur die Technik vermittelt wird (gerade für Formate wie Radio und Video).
  • Zu Beginn des Projekts die künstlerischen und technischen Kenntnisse der Teilnehmenden feststellen.
  • Die Teilnehmenden müssen in den einzelnen Arbeitsschritten (Themenfindung, Recherche, Produktion) in hinreichendem Grad frei sein, ihre eigenen Ideen realisieren und Schwerpunkte nach individuellen Präferenzen festlegen zu können. Die Themenfindung darf aber nicht vollkommen beliebig sein und muss im Rahmen des Projekts mit einem Fokus angeleitet werden. In dieser Hinsicht muss bei Projektstart identifiziert werden, ob die Teilnehmenden bereits konkrete Ideen und Realisierungswünsche haben und ob aufgrund dessen die Programmplanung berücksichtigt werden muss.
  • Alle Teilnehmenden müssen sich in umfassender Weise am Projekt beteiligen können und ihre Ideen, Meinungen und Präferenzen einbringen. Das Projekt soll für die Teilnehmenden auch bezüglich persönlicher Interessen einen Nutzen haben.
  • Arbeitsteilung in der Produktion ist erwünscht: Teilnehmende, die möglichweise nicht selbst ein Projekt realisieren möchten, können anderen Teilnehmenden dabei helfen.
  • Planung einer Werkschau: Die öffentliche Präsentation der Projektergebnisse macht die kulturelle Teilhabe vor einem grösseren Publikum sichtbar und wirkt sich empowernd auf die Teilnehmenden aus.

 

4. Verbindlichkeit und Themenfindung

Zwei Aspekte, die besondere Aufmerksamkeit seitens der Leitenden verlangt, sind die Verbindlichkeit und die Themenfindung, die zwar offen sein, jedoch auch nach einigen wenigen Leitlinien erfolgen soll.

Um eine regelmässige Präsenz der Teilnehmenden zu fördern ist es ratsam, zu Beginn des Projekts eine mehr oder weniger starke Verbindlichkeit der Teilnehmenden für das jeweilige Teilprojekt als Standard festzulegen. Regelmässige Anwesenheit der Teilnehmenden ist wichtig für einen gleichen, geteilten Wissensstand wie auch für das Vorankommen im Kursprogramm. Zu Beginn an hochgehaltene Verbindlichkeit macht die Präsenz der Teilnehmenden erwartbar und erlaubt eine effiziente und klare Planung des Kursprogramms.

Allfällige Änderungen von Programmpunkten sollen nicht ausgeschlossen werden, da je nach Bedürfnissen, Interessen und Ressourcen der Teilnehmenden eine Änderung des Kursprogramms sinnvoll ist.

Ein zweiter grundlegender Aspekt betrifft die Themenfindung innerhalb der jeweiligen Teilprojekte. Sie soll eng durch die Leitenden begleitet werden. So kann sichergestellt werden, dass die vorgegebenen Überthemen eingehalten werden und sich die Themen im Rahmen der Projektleitlinien befinden. Je nach Offen- bzw. Geschlossenheit legt das Überthema den Rahmen für ein gemeinsames Unterthema fest. Das Oberthema sollte demnach nicht zu offen sein, so dass es nicht zu weitgefasste Unterthemen zulässt. Die Leitenden können allenfalls auch Inputs liefern, die den Verlauf der Themenfindung in eine bestimmte Richtung lenken und die gedankliche Auseinandersetzung mit dem Über- wie auch Unterthema fördern, ohne die Eigenständigkeit in Frage zu stellen.

 

Leitlinien zur Themenfindung:

  • Das Projektresultat (sei es nun eine Radiosendung, eine Tanzperformance oder ein Film) von Anfang an als ein gemeinsames denken.
  • Bestehen auf einheitliche Fragestellungen und Resultate seitens der Leitung.
  • Vermeiden, ein zu weites und offenes Überthema vorzugeben. Thema allenfalls konkretisieren und auf einen bestimmten Aspekt beschränken.
  • Auf persönliche und künstlerische Erfahrungen und Fähigkeiten der Teilnehmenden eingehen.

 

5. Dokumentationsmittel

Die Dokumentation erfolgte mit Protokollvorlagen für verschiedene Ebenen. Je nach institutionellem Kontext und Art des künstlerischen Mittels kann es sein, dass die Leitfragen individuell leicht angepasst werden müssen, um so eine möglichst genaue Dokumentation zu erreichen. Die Protokolle können für alle Ebenen in elektronischer Form oder von Hand ausgefüllt werden. Falls eine Dokumentation erwünscht ist, empfiehlt es sich, dafür und für die Interviews genügend Zeit und einzuplanen.

 

 

 

Die Durchführung von «3 PROJEKTE – 3 FORMATE», die Evaluation und der darauf basierende Wissenstransfer wurden durch das Bundesamt für Kultur (Sektion Kultur und Gesellschaft) und die Avina Stiftung ermöglicht. Dafür möchten wir ihnen herzlich danken!